Der alltägliche Wahnsinn
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Die Geschichte von der Beretta im Nachttisch…

[Der letzte Eintrag aus meinem alten Blog. Damit das hier etwas Gehalt hat. Aber immerhin, schon ein Kommentar..]

 

…ist mittlerweile um die ganze Welt gegangen. Es gibt eine Menge Reaktionen, Vorschläge und Meinungen. Interessant finde ich, dass jedes Mal, wenn so etwas passiert, gleich jemand ankommt und auf das Thema “Gewalt in Computerspielen” losgeht. Warum das Schwachsinn ist brauche ich hier glaube ich nicht weiter zu erläutern; wenn jemand kaputt genug ist, solche Dinge zu tun, dann geben Far Cry und Counterstrike auch keinen großen Ausschlag mehr. Einzig zu erwähnen bleibt, dass Kaufhof solche Spiele jetzt nicht mehr verkaufen will. Da bin ich mal gespannt…

Viel größer ist die Frage, wie sich solche Taten verhindern lassen. Dazu gibt es einen Haufen Ideen, manche sind gut, manche schlecht. Ich denke, ich setze mich mit ein paar von denen auseinander.

Der erste Vorschlag kam von der lieben Frau Merkel. Die Idee war, dass unangemeldete Kontrollen bei Waffenbesitzern durchgeführt werden, ob deren Waffen ordnungsgemäß gelagert werden. Was eine wirklich gute Idee ist; Natürlich kann man nicht jeden Waffenbesitzer laufend überprüfen, aber was der Zweck von unangemeldeten Kontrollen ist, dürfte jedem klar sein. Erstaunlich ist es jedoch, dass irgendjemand vehement dagegen protestiert und meint, das wäre unnütz. Das Waffengesetz weiter zu verschärfen bringt jedenfalls auch nichts, denn das ist durchaus scharf genug. Denn wenn ein Gesetz verschärft wird, hat das nichts damit zu tun, dass die Bevölkerung sich besser dran hält, und das ist hier ja das Problem gewesen. Keine Waffe, kein Amoklauf. Und ein Nachttisch ist bekanntermaßen kein Waffenschrank. Vom Ansatzpunkt Waffengesetz bleibt also nur der Punkt der Überprüfung der Waffenbesitzer als sinnvolle Lösung übrig.

Ein anderer Ansatzpunkt war bei den Schulen. Schulpsychologen, Metalldetektoren, kleinere Klassen? Immer der Reihe nach… Schulpsychologen. An sich gar nicht verkehrt; aber an einer Schule mit 1000 Schülern kann man nicht jeden einzelnen betreuen. Und ist jemand so gestört wird er das bei einem kurzen Routinegespräch (oder wie das dann ablaufen würde), sicher nicht zu erkennen geben. Ist ein Potenzial allerdings erkannt, ist ein solcher Psychologe gut zu gebrauchen; allerdings bezahlt man ihn gewissermaßen nur fürs Rumsitzen, denn allzuoft tauchen solche Leute ja nicht auf. Metalldetektoren: schlicht und einfach nicht realisierbar. Wie soll das gehen? Tausend Schüler jeden Morgen durchleuchten? Jeder hat irgendwo ein Stückchen Metall, erst recht am/im Schulrucksack. Um da effizient kontrollieren zu können, müsste das gesamte Programm vom Flughafen durchgezogen werden: Jacke und Rucksack ins Röntgengerät, alle Taschen ausleeren. Wenns piept (und das wird es, wenn man zum Beispiel nicht gerade Lust hat seinen Gürtel auszuziehen), Untersuchung von Hand. Das geht einfach nicht, weder vom Kosten-, noch vom Zeitfaktor her. Dann die kleineren Klassen, damit “Sonderlinge” früher erkannt werden können: Halte ich nicht für sinnvoll. Sicher, irgendwo ist der Gedanke gerechtfertigt. Aber es herrscht doch so schon Lehrermangel, oder nicht? Ganz zu schweigen davon, dass jede Schule zusätzliche Klassenräume benötigen würde. Und auch wenn dieses (große!) Kostenproblem wegfallen würde, wäre da immer noch die Tatsache, dass einfach zu wenig Lehrkräfte da sind. Also: an den Schulen ist de facto auch nicht viel zu machen.

Die einzige sinnvolle Konsequenz ist also, die Waffenbesitzer zu kontrollieren? Mir fällt jedenfalls nichts anderes ein. Und verhindern lassen sich solche Taten schlicht und ergreifend nicht! Der eine Amokläufer ist das Produkt der Gesellschaft, der nächste ist einfach nur ein Psychopath - was will man dagegen tun? Wenn sich jemand von seiner Umgebung komplett abschottet, so gut wie nur schlechte Erfahrungen mit Mitmenschen gemacht hat, das mag ein Zeichen sein. Aber war das bei Tim so? Nach dem was man gehört hat (mehr weiß ich ja auch nicht), hatte er nicht viele Freunde, war aber weder Mobbing-Opfer noch sonderlich unbeliebt. Seine Familie (vor allem sein Vater) stand hinter ihm, und er war ein guter Tischtennis-Spieler. Hört sich nicht außergewöhnlich an, aber auch nicht nach einem Leben, das unangenehm ist. Vielleicht wollte er raus aus diesem heilen Weltbild, von diesem Image des wohlbehüteten, ruhigen oberer-Mittelstands-Jungen? Etwas krasses tun, was keiner erwartet? Ich weiß es nicht, und das wird wohl auch so bleiben. Fakt ist aber, dass man so etwas nicht erkennen kann. Man kann keine Gedanken lesen; und selbst wenn man es könnte, wäre es wohl schwer möglich, jeden Jugendlichen in Deutschland zu untersuchen, ob er Mordfantasien hat. Das ist einfach ein Faktor, den man nicht erfassen kann: man kann es nunmal selten vorher erkennen, weil man dazu sehr genau hingucken muss. Und da das nicht bei jedem geht, braucht man einen gewissen Verdacht vorher: nur, woher den nehmen? Shooter-Spieler, Softair-Besitzer? Das alles ist nicht maßgeblich. Gefährlich wird es, wenn jemand den Blick für die Realität verliert. Wenn es eben nicht mehr nur ein Spiel ist. Wenn man nicht nur mit Plastikkugeln oder Farbbeuteln auf Mitspieler schießt, sondern dabei im Kopf stattdessen scharf schießt. Das ist etwas, was man vorher nicht erkennen kann, und darin liegt das Problem. Es gibt einfach Dinge, die kann man nicht verhindern. Man kann das Beste tun, aber man kann es eben nicht ganz verhindern.

 

24.3.09 17:48
 


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